Sex, Gewalt und Orchester-Pop

"Edition deutsche Vita" lässt mit Rolf Olsens Kultfilm "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" jeden Tarantino-Film alt aussehen.

Von Marc Hairapetian

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Größere Ansicht anzeigenMit seinem feurigen Pathos war Erik Schumann (1925 - 2007) in den 1950er Jahren auf dem Weg zur Weltkarriere. Nach dem Laertes in der berühmten Frankfurter "Hamlet"-Inszenierung mit Oskar Werner in der Titelrolle, berührte er das Publikum in Helmut Käutners Grenzdrama "Himmel ohne Sterne" (1955) und hatte auch mit englischen und US-amerikanischen Produktionen Erfolg. Danach versandete seine Karriere etwas. Wiederentdeckt wurde er vom Wiener Regie-enfant-terrible Rolf Olsen (1919 - 1998, "Blutiger Freitag", "Shocking Asia"), der schon Exploitation-Streifen schrieb und drehte, als es diesen Begriff noch gar nicht gab.
 "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" (1967) war nach dem noch in Schwarzweiß gedrehten Kolportage-Klassiker "In Frankfurt sind die Nächte heiß" (1966) der erste farbige, deutschsprachige Pseudo-Doku-Reißer, der Sex und Gewalt in expliziter Form ausstellte. Schumann spielt hier den Hamburger Journalisten Danny Sonntag, der einer Bande verdorbener Twens aus "gutem Hause" (unter anderem Fritz Wepper und Jürgen Draeger) auf die Schliche kommt, als diese Schulmädchen auf den Strich schickt und unliebsame Mitwisser gnadenlos aus dem Weg räumt. Unvergesslich, wenn sich der mit Harpunenpfeilen (!) beschossene Schumann in einer Fabrikhalle mit Leuchtpistolen zur Wehr setzt. Das heute von Dominik Graf gelobte Trash-de-Luxe-Meisterwerk, das durch die mitreissenden Orchester-Jazzpop-Klänge von Erwin Halletz veredelt wird, lässt jeden Tarantino-Film alt aussehen. Ohne viertelstündige Werbeunterbrechungen des Privatfernsehens, dafür mit umfangreichen Bonus-Material (darunter ein Schumann-Interview zum Film) präsentiert die "Edition Deutsche Vita" den Kult-Streifen erstmals auf DVD. Das Joint-Venture zwischen Media Target, Subkultur Entertainment und Filmart könnte auch "Edition Dolce Vita" heißen, werden doch Krimi-Perlen ausgegraben, die die Träume vom süßen (Wohlstands)Leben arbeitsscheuer Zuhälter und Ganoven zeigen: Größere Ansicht anzeigen In "Fluchtweg St. Pauli - Großalarm für die Davidswache" (1971) von "Der Seewolf"-Regisseur Wolfgang Staudte brillieren Heinz Reincke und Horst Frank als ungleiches Brüderpaar. Jürgen Rolands "Zinksärge für die Goldjungen" (1973) ist die deutsche Antwort auf Francis Ford Coppolas "Der Pate" (1972). Die auf jeweils 1000 bzw. 1500 Exemplare limitierte Reihe soll mit "Mädchen mit Gewalt" (1969) von Roger Fritz fortgesetzt werden.

 Interviews, die ich mit Fritz Wepper, Jürgen Draeger und dem inzwischen leider verstorbenen Filmkomponisten Erwin Halletz zu den Rolf-Olsen-Filmen führen konnte, folgen in einem ausführlichen SPIRIT-EIN-LÄCHELN-IM-STURM-Special - außerdem ein euphorischer Brief von Erik Schumann, indem er sich begeistert über das "Lächeln im Sturm" äußert.

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 Edition Deutsche Vita: "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" , Deutschland 1967, Regie: Rolf Olsen, mit Erik Schumann, Fritz Wepper, Jürgen Draeger, Heinz Reincke, Marianne Hoffmann, Konrad Georg, Marlies Dräger, Rudolf Schündler, Karl Lieffen, Friedrich Schütter, Länge: 98 Minuten, Bild: 1,66:1 (Anamorph), Ton: Deutsch (1.0 Mono), Bonus: Audiokommentar von Pelle Felsch und Christian Kessler, Deutscher Trailer, umfangreiche Bildergalerie, Erik-Schumann-Interview, 16-seitiges Booklet

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Größere Ansicht anzeigen Größere Ansicht anzeigen  "Fluchtweg St. Pauli - Großalarm für die Davidswache" , Deutschland 1971, Regie: Wolfgang Staudte, mit Horst Frank, Heinz Reincke, Christiane Krüger, Klaus Schwarzkopf, Andrea Rau, Curt Timm, Länge: 84 Minuten, Bild: 1,78:1 (Anamorph), Ton: Deutsch (1.0 Mono), Bonus: Audiokommentar von Pelle Felsch und Christian Kessler, Deutscher Trailer, umfangreiche Bildergalerie, 16-seitiges Booklet, Original Soundtrack von Peter Schirmann auf CD







Größere Ansicht anzeigen  "Zinksärge für die Goldjungen" , Deutschland/Italien 1973, Regie: Jürgen Roland, mit Horst Janson, Herbert Fleischmann, Henry Silva, Dan van Husen, Länge: 83 Minuten, Bild: 1,78:1 (Anamorph), Ton: Deutsch & Englisch (1.0 Mono), Bonus: Intro mit Horst Janson, Interview mit Horst Janson, Interview mit Henry Silva, Audiointerview mit Jürgen Roland, italienische Fassung, deutscher Trailer, Bildergalerie, Eurocrime Trailer

 alle DVDs der "Edition deutsche Vita" als Joint Venture von Filmart, Studiocanal (Lizenzgeber), Subkultur Entertainment , Media Target














Marc Hairapetian am 15. April 2013 für SPIRIT - EIN LÄCHELN IM STURM www.spirit-fanzine.de

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